Sind streunende Hunde in Thailand gefährlich?

In Thailand trifft man viele frei herumlaufende Hunde. Man sieht und begegnet ihnen auf der Straße, am Strand und auch ganzen Hunderudeln außerhalb und innerhalb von Dörfern. Doch welches Verhalten ist richtig, wenn wir ihnen begegnen?

Diese Streuner suchen überall dort, wo Menschen sind, ihr Futter aus dem Abfall.Sie sind in Tempeln, vor vielen 7Eleven, an Sehenswürdigkeiten und überall auf den Straßen in den Städten. Gibt man ihnen etwas zu fressen, dann ist das oft der Beginn einer Freundschaft zu ihnen. Interessant ist ihr Verhalten.

Tagsüber dösen sie herum, liegen mitten auf der Straße und selbst große, gefährlichst aussehende Hunde sind apathisch und erheben sich nur wiederwillig, wenn ein Auto oder Motorbike kommt.

Nachts ist das anders. Wer jetzt diesen Hunden begegnet, wird heftig angebellt. Und oft kommen weitere Hunde hinzu und man sieht sich plötzlich einem ganzen Rudel wild kläffender Hunde gegenüber. Sie alle wollen ihr Revier verteidigen und sich innerhalb ihrer Gruppe als furchtlos und stark erweisen.

Abstand und Ruhe bewahren

Doch bei allem Wutgehabe halten sie meistens einen Abstand. Und bewegt man sich ohne zu drohen auf sie zu, weichen sie meistens zurück. Diese Hunde leben in ihrer Gruppe. Abgesehen von Rangeleien untereinander ist die Rangordnung meistens geklärt. Viele sind nicht aggressiv. Denn freundliche Hunde erhalten von uns Futter. Das prägte ihr Verhalten.

Wenn Streuner allerdings schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, reagieren sie durchaus auch aus Angst aggressiv. Sie sind lernfähig wie wir Menschen.

Eine kurze Geschichte aus meinen Jahren der Tätigkeit im Hundesport soll das verdeutlichen. Briefträger sind oft besonders „gefährdete Menschen“. Das ist so, weil sie das Revier des Hundes betreten und deshalb eine „Gefahr“ darstellen.

Der Hund verbellt sie und nicht selten wurden Briefträger auch gebissen. Jene aber, die sich mit dem Hund anfreundeten, indem sie ein Leckerli mitbrachten, wurden freundlich von Hunden begrüsst. Dreht er jedoch schon am Gartenzaun um und verschwindet schnell, fühlt sich der Hund als bellender Sieger.

Der Hund reagiert auf Reflexe fand der russische Gelehrte Pawlow heraus.

Diese Erkenntnis war revolutionär, nicht nur in der künftigen Hundeerziehung. Indem der Mensch vorausschauend handelt, lenkt er das Reflexartige Handeln des Hundes. Hunde reagieren auf bestimmte Reflexe, die sie erlernten. Das gilt auch dafür, dass sie darauf reagieren, wie wir mit ihnen umgehen.

Viele Menschen haben Angst vor Hunden. Und nicht wenige Ausländer hassen Hunde, weil sie dieses Verhalten der Hunde nicht verstehen. Oder weil die Hunde in Thailand eben anders sind als jene, an Menschen gewöhnte in europäischen Haushalten.

Besonders Streuner zeigen in Thailand oft Misstrauen gegenüber den mit Stöcken und Steinen „bewaffneten“ Ausländern. Und nicht selten genügt eine hastige Bewegung, dass die Hunde sofort darauf reagieren und aggressiv werden. Diese Hunde waren eben auch lernfähig und erkennen die Gefahren, die ihnen durch Ausländer drohen.

Regeln im Umgang mir Straßenhunden

– Verhalte sich normal und ignoriere die Hunde. – Nähere dich ihm langsam, sprich mit ihm. – Halte ihm deine Faust zum Schnüffeln entgegen. – Beobachte seine Rute, an ihr siehst du sein Verhalten. – Flucht weckt den Jagdinstinkt jedes Hundes. – Lasse dem Hund Rückzugsmöglichkeiten. – Gehe nicht drohend auf einen Hund zu. – Strecke nicht die Hände nach oben, er sieht es als Angriff. – Vermeide hastige Bewegungen der Angst. – Schlage den Hund nicht, er wird sich wehren. – Jeder Hund bemerkt deine Angst. Bleibe ruhig.

Rolf Schendel im Dezember 2018 – Leben in Thailand