Die vier edlen Wahrheiten sind die Grundlage der buddhistischen Lehre und Kernaussage Siddhartha Gautamas Rede von der „Ingangsetzung des Rades der Lehre“.

Die vier edlen Wahrheiten, die jedes mitfühlende Lebewesen verstehen muss, sind:

  • Die edle Wahrheit über das Leiden.
  • Die edle Wahrheit über die Entstehung des Leidens
  • Die edle Wahrheit über die Beendigung des Leidens
  • Die edle Wahrheit über den Pfad der Ausübung, der zur Beendigung des Leiden führt.

Durch die Erkenntnis und Befolgung dieser vier edlen Wahrheiten ist der Mensch in der Lage, den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt zu durchbrechen und ins Nirwana einzugehen.

Die erste edle Wahrheit (Dukkha)

Das Leben ist leidvoll: Die Geburt ist Leiden, Altern ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden, Kummer, Schmerz und Verzweiflung sind Leiden.

Die zweite edle Wahrheit (Samudaya)

Der Ursprung des Leidens ist Verlangen, welches zu Werden treibt. Es wird begleitet von Begierde, Erfreuen, Sinnenvergnügen. Es stellt eine Art Durst (Thanha) dar, der neues Dasein und Wiedergeburt erzeugt. Dieses Verlangen eröffnet sich auf unterschiedliche Art und Weise. Sie ist nicht der einzige Ursprung Dukkhas, aber der naheliegenste.

Die einfachste Variante der Begierde stellen auf rauer Ebene Reichtum, Macht und Kontrolle dar. Doch dies ist nicht das einzige Verlangen. Auf einer weicheren Ebene kann man hierzu ebenfalls Ideale, Wertvorstellungen, Ansichten und Meinungen hinzudenken. Hierzu gehören auch Glaubensvorstellungen. Gem. Siddhartha Gautama liegt der Ursprung von Streit und Unruhe, sei es in der Familie, Partnerschaft, Freundschaft oder zwischen Völkern und Länder nur aufgrund dieses Durstes und Verlangens. Der Ursprung des Durstes ist die Unwissenheit (Aviija).

Doch was ist Unwissenheit? Es bedeutet insbesondere nichts über die erste edle Wahrheit zu wissen. Wer nichts über den Ursprung des Dukkhas weiß, der kann auch nichts über die Beendigung Dukkahs kennen.

Die dritte edle Wahrheit (Nirodha)

Das beseitigen und löschen der Ursachen beendet das Leiden. Hierzu hat Siddhartha eine Kausalkette aufgestellt, welche den Ursprung als auch die Beendigung des Leidens genauer beschreibt:

  • Gestaltungen haben Unwissenheit als deren Grundvoraussetzung,
  • Bewußtsein hat Gestaltungen als seine Grundvoraussetzung,
  • Name-und-Form hat Bewußtsein als seine Grundvoraussetzung,
  • sechs Sinnesträger haben Name-und-Form als deren Grundvoraussetzung,
  • Berührung hat sechs Sinnesträger als seine Grundvoraussetzung,
  • Gefühl hat Berührung als seine Grundvoraussetzung,
  • Verlangen hat Gefühl als seine Grundvoraussetzung,
  • Festhalten hat Verlangen als seine Grundvoraussetzung,
  • Werden hat Festhalten als seine Grundvoraussetzung,
  • Geburt hat Werden als seine Grundvoraussetzung,
  • Stress und Leiden hat Geburt als seine Grundvoraussetzung,
  • Vertrauen hat Stress und Leiden als seine Grundvoraussetzung,
  • Freude hat Vertrauen als seine Grundvoraussetzung,
  • Verzücken hat Freude als seine Grundvoraussetzung,
  • Gestilltheit hat Verzücken als seine Grundvoraussetzung,
  • Wohl hat Gestilltheit als seine Grundvoraussetzung,
  • Konzentration hat Wohl als seine Grundvoraussetzung,
  • Wissen und Vision von Dingen, wie sie tatsächlich gegenwärtig sind, hat Konzentration als seine Grundvoraussetzung,
  • Ernüchterung hat Wissen und Vision von Dingen, wie sie tatsächlich gegenwärtig sind, als Grundvoraussetzung,
  • Nichtbegierde hat Ernüchterung als seine Grundvoraussetzung,
  • Befreiung hat Nichtbegierde als seine Grundvoraussetzung,
  • Wissen von Enden hat Befreiung als seine Grundvoraussetzung.“

Vereinfacht gesagt, hat Buddha das Beispiel eines Regengusses in den Bergen genommen:

Der Regen fällt in den oberen Bergen, es füllt das Wasser, welches die Hänge herunterfließe in die Klüfte und Spalten. Sobald diese Klüfte und Spalten vollgelaufen sind, füllt das Wasser Rinnen hinter zu den Weihern, sobald diese voll sind, füllen sie große Seen. Sobald die Seen voll sind, füllen diese kleine Flüsse. Sobald diese kleinen Flüsse ebenfalls voll sind, füllen sie die großen Flüsse und schlussendlich die großen Meere und Ozeane dieser Welt.

Es handelt sich um eine logische Kausalkette. Der Ursprung des Leidens ist die Unwissenheit und die Lösung hiervon ist das Wissen.

Die vierte edle Wahrheit (Magga)

Magga beschreibt den Pfad, welcher zur Beendigung des Leiden führt. Es handelt sich hierbei um den „edlen achtfachen Pfad“, welcher durch das Dharmachakra symbolisiert wird. Der edle achtfache Pfad umfasst die folgenden Punkte:

  • Rechte Ansicht
  • Rechte Entschlossenheit
  • Rechte Sprache
  • Rechte Handlung
  • Rechter Lebensunterhalt
  • Rechte Anstrengung
  • Rechte Achtsamkeit
  • Rechte Konzentration

Die Ausübung dieses edlen achtfachen Pfades kann nicht verallgemeinert werden, sondern ist von jeden unterschiedlich abhängig. Die Realisierung der ersten drei edlen Wahrheiten stellt dabei die Basis dar und die letztere ist zudem abhängig von der eigenen Gabe, diesen Weg auch darzulegen.

Grundsätzlich kann man die Definition des Deutschen Buddhistischen Union von 2015 nehmen, in der es heißt:

  1. Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll.
  2. Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.
  3. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden.
  4. Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad.                             “